In Memoriam Jörg Reichenberger

Als 1989 die Grenzen zur BRD aufgingen, fuhren tausende DDR´ler  mit der Bahn nach München. Das Neue lockte Viele im Allgemeinen, das zusätzliche Münchner Begrüßungsgeld im Besonderen.

Viele Koffer mit  Postkarten wurden in den Laden am Bahnhofplatz getragen.

Wer Münzen und/oder Banknoten abzugeben hatte, wurde um die Ecke an die Firma Reichenberger im Bahnhofsgebäude, Eingang Arnulfstraße verwiesen.

Daher ist er unzähligen Lesern in bleibender positiver Erinnerung. 

Jörg  wurde am 13.1.1947 in Alexandersbad als Kind armer sudetendeutscher Flüchtlinge in eine schwierige Zeit geboren. Höhere Handelsschule, Banklehre bei der Dresdner Bank, tolle Leistungen, Innenleiter mit 22 Jahren, war es doch nicht seine Welt, Kleinkunden zu gängeln und  Omis abzuzocken. 

Als geborener Sammler sah er die Chance etwas ganz Neues, Tolles zu machen, nämlich historische Banknoten und Wertpapiere in einer weltweit neuen pro-fessionellen Form zu handeln. Die bayr. Wirtschaftsbank ging gerade pleite und zu München in der Thalkirchner Straße war ein Bankgebäude zu haben.

Also Kredit. Kauf, Aufbau des Geschäftes in Windeseile. Prompt ist ihm die Sache aus den Händen gelaufen, falsche Partner, Trickreichtum, es doch hin-zukriegen, die Vision stand ja felsenfest. So landete er in der Ersttäter-Straf-anstalt Landsberg. Richtig, da saß auch der Wissen`s scho 1924.., genau dort.

Putzig, wenn er engen Freunden erzählte, wie er dann dort im Gefängnisgarten zusammen mit dem Pleitier, der ihm das Bankgebäude verkauft hatte,(den  hatte es auch dorthin verschlagen),  Gemüse für die Mithäftlinge anbaute.

Nach bürgerlichen Maßstäben kreditunwürdig hat er Jahrzehnte gebraucht, die Schulden  abzuarbeiten. Dabei war er bienenfleißig  und immer korrekt. Ohne die bankübliche „Bonität“, war sein Wort aber  weit mehr wert, als das der meisten heutigen Banker. Die Besucher der großen Numismatischen Treffen wie Berlin, München,  Maastricht, Verona wissen das. Hochreell seine Ankaufs-praxis, hat er  auch mal Nullgeschäfte gemacht um für den  Kunden  immer etwas Neues zu haben.  Der Kunde eben noch König. Soll ja so sein.

Aber er hat  sich auch einer Vielzahl an  irdischen Genüssen hingegeben. Einen Schlag bei den Frauen. Ein Tag ohne  Wein, bitte nein!! Dir und mir zuvor mal ein  Bier. Denn Wein auf Bier, das rat ich Dir! So nahm auch alles Höherprozen-tige, daß der Verfasser zu seinem 50. bekam, alldiensttäglich vor dem Münzclub seinen Weg zu Jörg.  

Der Führerschein ist, bis er fort war,  jahrelang zwischen ihm und der Behörde hin- und hergewandert. Als er mal seinen Rausch auf dem Mittleren Ring parkend  in München ausschlief, kam  aber ein uniformierter Numismatiker des Weges und hat Ihn einfach nach Hause gefahren. Das gab´s damals noch ab und zu in München. Wie liefe das wohl heute ab?? Mit aller Staatsmacht, wie sonst.

Regisseur Dietl, Schauspieler Helmut Fischer und J.R. (englisch ausgesprochen, wie J.R. Ewing in „Dallas“, der Kapitalisten-Soap) lebten ja alle  nahe beiein-ander in Schwabing. Der Verfasser ist fest davon  überzeugt, daß Jörg R.  ein Stück Realvorlage für den ewigen Stenz gewesen ist …

Die Spatzerln, die Geschäftsideen. Braucht man Treue denn unbedingt ?? Die Casinos, die Pferde, die Dreierwette,  da kauft man doch besser alle Rennpferde selber. Etliche besaß er zeitweise in München.

Sanfter geworden dank seiner Monika, die alles allmählich  sehr geschickt in den Griff bekam, hat dann aber doch  der Krebs in den nicht so  pfleglich behan-delten Körper Einzug gehalten. Er hat keinen, sagte er sich und Anderen, hat noch die großen Münztermine Berlin und München Frühjahr 2013 gebucht.

Zu lange hatte er sich leider  der Realität und einer eventuell noch zielführenden Behandlung verweigert

Ein ganz großer Enthusiast seines Faches ……… ist halt dann mal weg

Sterbebild Reichenberger

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