Kunst im Wert von 1 Milliarde Euros in München aufgetaucht.!!!!!!!!!!!!!!

Die Schlagzeilen überboten sich zunächst. Mittlerweile bei den  realistischeren etwa 50 Millionen Euro angelangt, hat doch die tiefer blickende Presse versucht, die Seele eines Sammlers zu begreifen, wie der Kunsthändlersohn Gurlitt Jahrzehnte in Symbiose mit  seinen Bildern und nur dem Nötigsten an sozialen Kontakten gelebt hat.

Auch die deutsche Ansichtskartenszene hatte einen solchen Menschen, der seine Karten über alles geliebt, jeden Pfennig in seine Sammlung erst investiert, also nichts ererbt hat.

Der also gewiß ähnlich mit „seinen“ Karten verwoben war, wie Herr Gurlitt mit seiner Kunst.

KARL STEHLE  ist einsam und inmitten seiner Schätze am 14. Juni 2013 kurz vor seinem 74.Geburtstag verstorben.

Karl Stehle war  Kriegshalbwaise, die Familie arm, und so stand nicht die Frage im Raum, welches Haus oder Grundstück er denn gerne hätte. Das Abitur am Münchenkolleg nachgeholt (der Verfasser tat es ihm 8 Jahre später dort nach) ist er auf einem Auslands-semester in Paris an den dortigen Flohmärkten und den Postkarten hängen geblieben.

Zurück in München hat er bei Henry Stolow angeheuert, einer Bastion in der so stürmisch gewordenen Philatelie. 1983 folgte er in den neu entstanden AK-Laden am Hauptbahnhof.

Fast 30 Jahre, bis er, schon im Rentenalter, keine Kunden mehr bedienen durfte, hat Ihn eine Generation von Besuchern des Ladens am Münchner Hauptbahnhof als DIE Instanz für Motive kennen gelernt.

Wer nicht Kunde dort war, dem ist der Name im Kino begegnet, Schamoni: „Majestät brauchen Sonne“, die Ausstellungen im deutschen historischen Museum, auf dem Obersalzberg, im Münchner Stadtmuseum und dessen Katalogen.

Als  cleverer Oberschwabe und gelernter Bankkaufmann wusste er,  daß es da auch Honorare gibt und daß man auch diese Einnahmen wieder investieren kann.

Alleinstehend ohne Kinder und das letzte Hemd hat keine Taschen, hat er mit sich und  diversen Interessenten gerungen. Jede Entscheidung hätte auch eine Trennung von der Sammlung bedeutet, nur Sammler verstehen diesen drohenden Schmerz.

So hat ihm Der ganz oben, der uns alle wieder einsammelt, die Entscheidung abgenommen, rasch, in wenigen Sekunden, ohne Schmerz und Leidensphasen.

So mußte die ältere Schwester, die erst Monate zuvor eine Tochter verloren hatte, alle Ent-scheidungen treffen. Die drei großen AK-Versteigerer machten alle Ihre Aufwartung, jeder sechsstellige Vorschüsse offerierend. Aber eben alle nicht aus Schwaben.

Die Familie entschied sich dann ganz anders. Und patriotisch.  Die Firma Gärtner in Bietig-heim, international erfolgreiche Briefmarkenauktion, hat die Traumsammlung versteigert.

Man hat einen tollen, gebundenen Katalog, zweisprachig, erstellt und großzügig verteilt.

Im Katalog ist immer von Zeitdruck die Rede, wer immer diesen gemacht haben mag .

592.186 Karten, plus die Kartons, über deren Stückzahl-Inhalt der Katalog schweigt, das ganze in 383 Lose aufsortiert. Die gesamte Besichtigungszeit vom 23. September bis Versteigerungsbeginn war 914.400 Sekunden, macht bei 592000 Karten 1,54 Sekunden pro Karte. Bitte ja keine Toiletten- oder Kaffeepause!!

So war es sicher kein Fehler, die  Sortierer zu kennen und eventuell  zu erfahren, wo was hinsortiert wurde.

Ambitioniert sicher auch der Zeitplan: am Freitag, den 18. Oktober 2013 wurden gerade mal  zwei Stunden von 17 bis 19 Uhr für diese einmalige Sammlung angesetzt.  

Der Ablauf nicht unähnlich den großen Versteigerungen der historischen Aktien aus den Reichsbanktresoren in den 90igern in Berlin: Damals wie heute waren die Auktionen zwar öffentlich, gekauft hat aber fast ausschließlich der Handel. Die institutionellen Anleger, würde man im Bankfach sagen. Aber alle großen deutschen Namen saßen im Saal und haben es so in  Neudeutsch zu einem Memorial oder Event werden lassen.

Und ein Rekordergebnis erzielt: brutto über 1.700.000 (in Worten Einemillionsiebenhundert-tausend  Euro).

Etwas sollte über aller Wachstums- und Rekordeuphorie doch zum Nachdenken anregen: 

Die einzigartige, nie wieder zusammentragbare  Sammlung Nationalsozialismus, 24.000 Karten, Ausruf 150.000 Euro, ging für 280.000 € nach Russland.

Seit Jahren kommen der DAX und andere Indizies voran, voran und noch mal voran, bald wird die Sonne das Wachs der Flügel zerschmelzen. (Ikarus)

Zugleich war es wohl keiner Institution oder Museum möglich diese  Sammlung im Lande zu halten.  Reiches zugleich armes  Deutschland????

Der ganze Rückbau der Sozialsysteme und die Reallohnverluste führen europaweit dazu, daß man sich zuerst, wo sonst, beim Sammeln und der Kultur einschränken muß. Die Staaten, wo der Privatmann  mehr in der Tasche hat, haben  hier auch eine prosperierende Szene, boomende Länder wie Russland und China als bekannte Beispiele.



Seine vermutlich letzte Postkarte schrieb er an mich, am 13.6., einen Tag vor seinem Tod. 

Letzte Postkarte von Karl Stehle an N. Haidl

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